REACH für Sie als Anwender

REACH steht für Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien. Die EU-Chemikalienverordnung REACH reguliert den Umgang mit Chemikalien innerhalb der EU und ersetzt die zuvor geltenden chemikalienrechtlichen Regelwerke der Mitgliedstaaten. Ziel ist, besonders umwelt- oder gesundheitsschädliche Stoffe durch weniger bedenkliche Substanzen zu ersetzen. Kontrollinstanz ist die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) mit Sitz in Helsinki. Die Einführung von REACH vollzieht sich in drei Phasen, von denen die ersten beiden Phasen bereits abgeschlossen sind. Bis zum 1. Juni 2018 muss Phase drei abgeschlossen sein und alle Stoffe der ECHA gemeldet werden, die in Mengen von einer bis 100 Tonnen in der EU hergestellt oder in diese importiert werden können. Phase drei betrifft daher vor allem kleine und mittelständische Unternehmen.
 
Es gibt eine Ausnahme von der Regel. Analytische Tätigkeiten hat die ECHA mit wissenschaftlicher Forschung und Entwicklung gleichgesetzt. Chemikalien, die für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden, sind zulassungsfrei, solange sie in Mengen unter einer Tonne jährlich und unter Einhaltung üblicher Laborrichtlinien verwendet werden. Chemikalien, die für analytische Tätigkeiten verwendet werden sind daher auch zulassungsfrei. Fragen und Antworten zur Sonderregelung hat die ECHA unter den Nummern 585 und 1030 auf ihrer Homepage veröffentlicht.
 

REACH als nachgeschalteter Anwender

Das Unternehmen Bernd Kraft ist bislang nicht registrierungspflichtig, sondern gilt als nachgeschalteter Anwender. Wir kaufen rund 1.500 Substanzen zu und stellen daraus Lösungen und Standards für unsere Kunden her. Hunderte der von uns zugekauften Stoffe wurden bereits registriert. Allerdings müssen Sie als unsere Kunden keine relevanten Auswirkungen fürchten, denn wir kümmern uns für Sie um die REACH-Konformität aller Standards und Lösungen.

Tipps & Tricks

Die folgenden Hinweise und das Ablaufdiagramm erklären, was zu tun ist und wie Sie vorgehen können.
 
 
 
 

Der Umgang mit Sicherheitsdatenblättern (SDB)

 

1. Prüfen Sie die Art des Sicherheitsdatenblatts

  • Wenn Sie ein stoffbezogenes SDB erhalten, prüfen Sie, ob Ihre Verwendung in Kapitel 1 des SDBL abgedeckt ist und dass Sie die grundlegenden Bestimmungen zum Arbeitsschutz einhalten.
  • Wenn Sie ein (erweitertes) SDB erhalten, in dem Expositionsszenarien enthalten sind, müssen Sie prüfen, ob diese Ihre Verwendungsbedingungen abdecken.
 

2. Deckt das erweiterte SDB Ihre Verwendungsbedingungen ab?

  • Definieren Sie IHRE Verwendungsbedingungen mit dem Use-Descriptor-System (UDS). Dieses wird von der Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA) als Leitfaden bereitgestellt. Es reflektiert verschiedene Verwendungsprozesse und -sektoren, ist sehr flexibel und gestattet über eine Million Verwendungskombinationen.
  • Es basiert auf fünf separaten Kategorien. Jede Kategorie hat vordefinierte Deskriptoren, die in Kombination miteinander eine kurze Beschreibung der Verwendung ermöglichen.
  • Bei der Definition der Verwendungsbedingungen sind Aggregatzustand des Stoffes und Konzentration des Stoffes, Häufigkeit und Dauer der Verwendung, Maßnahmen des Risikomanagements und Einsatzbedingungen zu beachten.
  • Zu Ihrer Erleichterung und zur Vereinheitlichung haben wir unsere Erkenntnisse innerhalb der Branche abgestimmt. Diese branchentypische und abgestimmte Verwendungsübersicht nebst Kurzbeschreibungen, welche Labortätigkeiten den jeweiligen Verwendungsbeschreibungen zugeordnet werden können, stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie uns dafür per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
  • Vergleichen Sie Ihre Verwendungsbedingungen mit den über das erweiterte SDB abgedeckten Verwendungsbedingungen.
 

3. Was tun, wenn das erweiterte SDB Ihre Verwendungsbedingungen nicht abdeckt?

Gemäß REACH haben Sie grundsätzlich 12 Monate Zeit – beginnend mit dem Erhalt einer Registrierungsnummer in dem SDB Ihres Lieferanten, um Ihre Verwendung abzudecken (REACH Art. 37 und 39). Danach haben Sie vier Optionen:
 
Option 1:
Prüfen Sie, ob Sie Ihre Verwendungsbedingungen so ändern können, dass diese mit dem erhaltenen, erweiterten SDB abgedeckt sind. Wechseln Sie z. B. von einer offenen zu einer geschlossenen Anwendung, verbessern Sie das Belüftungssystem, reduzieren Sie die Expositionszeit etc.
Option 2:
Kommunizieren Sie die fehlenden Anwendungsbedingungen über Ihren Lieferanten zum Registranten und fordern Sie bei diesem Expositionsszenarien an, welche Ihre Verwendungsbedingungen abdecken.
Option 3:
Sie melden Ihre Verwendungsbedingungen der ECHA und führen selbst eine Stoffsicherheitsbeurteilung durch. Falls Sie den Stoff in einer Menge von mehr als einer Tonne pro Jahr verwenden, müssen Sie die ECHA innerhalb von sechs Monaten darüber informieren, dass Sie selbst eine Stoffsicherheitsbeurteilung durchführen. Wenn Sie den Stoff in einer Menge von weniger als einer Tonne pro Jahr verwenden, müssen Sie Ihre weitere Verwendung der ECHA lediglich melden. Eine Stoffsicherheitsbeurteilung ist nicht notwendig.
Option 4:
Wechseln Sie zu dem Lieferanten, der Ihre Verwendungen sicherstellen und Ihre Verwendungsbedingungen abdecken kann.
 

4. Weitere Nutzung der neuen Informationen aus dem SDB im Betrieb.

Denken Sie daran, dass die neuen, zusätzlichen Informationen aus den neu übersandten Sicherheitsdatenblättern einschließlich Expositionsszenarien in z. B. die Gefährdungsbeurteilungen, die Gefahrstoffverzeichnisse, in Betriebsanweisungen zum Umgang mit Gefahrstoffen und auch in Explosionsschutzdokumente eingearbeitet werden sollen. Zusätzlich dürfen Auswirkungen auf andere Rechtsgebiete, wie die Störfallverordnung oder die Vorschriften zur Lagerung von Gefahrstoffen nicht außer Acht gelassen werden.
 
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